Schloss Lamberg, (c) ÖBf-Archiv/Wolfgang Simlinger

Schloss & Geschichte

Historische Zeitreise

Das malerisch über der Stadt Steyr gelegene Schloss Lamberg blickt auf eine lange Geschichte zurück. Die ehemalige dreieckige Burganlage aus dem Mittelalter wurde nach einem Brand im 18. Jahrhundert umgebaut und erstrahlt heute im barocken Kleid. Im malerischen Schlosshof befindet sich ein barocker Brunnen, aus dessen Mitte die Plastik eines Hundes ragt. Er ist das Wappentier der Lambergs, in deren Familienbesitz sich das Schloss vom 17. bis ins 20. Jahrhundert befand und die auch Namensgeber des Schlosses waren.

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um 900

Die Anfänge der Styrapurch

 

Das heutige Bauwerk geht auf die sogenannte Stirapuch zurück, also die Burg an der Steyr, die erstmals Ende des 10. Jahrhunderts urkundlich im Passauer Traditionsbuch erwähnt wurde. Tatsächlich dürfte die Burganlage aber schon um 900 in der Zeit der Ungarnstürme zur Sicherung des Grenzüberganges errichtet worden sein.

 

11. Jahrhundert

Die Otakare und das Wappen von Steyr

Die Burg samt Besitzungen gehen Mitte des 11. Jh von den Grafen von Wels-Lambach an das aus dem Chiemgau stammende Herrngeschlecht der Otakare über. Die Burg in Steyr wird auch die Residenz der Otakare und ihre Besitzungen in der heutigen Steiermark bekamen den Namen der Residenzstadt „Steyr“ übertragen.  Das Wappen der Otakare, der silberne Panther auf grünem Feld, ging nicht nur auf die Steiermark über, die 1180 zum von Bayern unabhängigen Herzogtum erhoben wurde, sondern auch auf die Stadt Steyr.

12. und 13. Jahrhundert

Mittelalterliche Kastellburg

Ende des 12 Jh. änderten sich die Verhältnisse der Macht grundlegend und die Burg bekam drei Mal neue Besitzer. 1186 vermachte Herzog Otakar IV seine Ländereien samt der Burg Steyr an seine Blutsverwandten, die Babenberger. Nach dem Tod des letzten Babenbergers 1246 gelangte die Burg kurze Zeit in den Besitz Dietmar von Steyr, der sie aber 1252 zugunsten der Burg Losenstein an die Premysliden abgab. Nach dem Sieg König Rudolfs von Habsburg über den Böhmenkönig Premysl Otakar II 1278 gelangte die Burg von Steyr schließlich in habsburgischen Besitz. 

14. bis 17. Jahrhundert

Die Burg im Besitz der Habsburger

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts zählte die Herrschaft Steyr zu den größten Herrschaften des Landes ob der Enns. Im Verlauf des 14. und 15. Jahrhunderts erlosch jedoch allmählich die Bedeutung der landesfürstlichen Burg Steyr. Unter der Habsburgische Macht wechseln die Verwalter sehr oft. In dieser Zeit erlitt die Burg durch wiederholte Belagerungen auch erhebliche bauliche Schäden. 

ab 1666

Die Grafen Lamberg

Georg Siegmund Freiherr von Lamberg wurde im Jahre 1614 Burggraf zu Steyr. Am 26. September 1666 wurden seinem Sohn Johann Maximilian, der maßgeblich am Zustandekommen des Westfälischen Friedens beteiligt war, die Burg und Herrschaft Steyr von Kaiser Leopold I. um 365.844 Gulden verkauft, wodurch diese in Lamberg’schen Familienbesitz übergeht. Noch im selben Jahr ließ der neue Besitzer der Burg im Burghof ein Brunnenbecken errichten, aus dessen Mitte bis heute noch die Plastik eines Hundes, des Wappentiers der Familie Lamberg, aufragt.

Innenhof_Brunnen, (c) ÖBf-Archiv/Wolfgang Simlinger

18. Jahrhundert

Ausbau zum heutigen Barockschloss

Nach einem großen Stadtbrand 1727, der auch Teile der alten Burg zerstörte, erfolgte der barocke Umbau zwischen 1728 und 1731 unter Franz Anton Reichsfürst von Lamberg. Mit dem Wiederaufbau wurde der Linzer Baumeister Michael Prunner beauftragt. Weitere barocke Umgestaltungen, vor allem der Innenräume, erfolgten in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts unter Johann Nepomuk Friedrich Fürst Lamberg.

Schloss Lamberg, (c) ÖBf-Archiv/Wolfgang Simlinger

19. Jahrhundert

Unstandesgemäße Heirat

Im Jahr 1824 wurde das Schloss Lamberg im Zuge eines schweren Stadtbrandes erneut vom Feuer heimgesucht und musste renoviert werden. Durch die unstandesgemäße Heirat des Fürsten Gustav Joachim von Lamberg im Jahr 1855 mit Katharina von Lamberg verlor die Familie Lamberg nicht nur den Fürstentitel, sondern sah sich auch einem gesellschaftlichen Boykott ausgesetzt, der den Verlust der Erbfolge für die Herrschaft Steyr zur Folge hatte. Die Besitzungen gingen in die ungarische Linie der Lambergs über.

Tapetenzimmer Lamberg, (c) ÖBf-Archiv/Wolfgang Simlinger

1938 bis 1955

Kriegs- und Nachkriegszeit

1938 erwarb das Deutsche Reich von Vollrat Graf Lamberg sämtliche Liegenschaften der ehemaligen Herrschaft Steyr mitsamt Schloss und umfangreichen Waldbesitzungen. 1942 wurde das Schloss mit dem umliegenden Park von der Reichsforstverwaltung an den Reichsgau Oberdonau weiterverkauft.

ab 1955

Eigentum der Republik

Aufgrund der Bestimmungen des Staatsvertrages gingen 1955 sämtliche Liegenschaften, die ehemaliges „Deutsches Eigentum“ darstellten, ins Eigentum der Republik Österreich über. Seitdem betreuen und bewirtschaften die Österreichischen Bundesforste Schloss Lamberg und die dazugehörigen Wälder für die Republik Österreich. Nach einer großen Sanierungskampagne in den späten 1970er Jahren und laufenden Sanierungsarbeiten sind in dem Schloss heute sowohl Behörden und Wohnungen untergebracht. Die historischen Räumlichkeiten sind aber für BesucherInnen geöffnet und ein Teil kann auch für Veranstaltungen genutzt werden.

Schloss Lamberg, (c) ÖBf-Archiv/Wolfgang Simlinger